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"NEIN heißt NEIN"

13.02.2026

Selbstverteidigungskurs für Mädchen der Jahrgänge 8 bis 13 am ChG

Mit insgesamt 36 Teilnehmerinnen war der Selbstverteidigungskurs für Mädchen, den der Elternbeirat des Chiemgau-Gymnasiums (ChG) organisiert hatte, auch dieses Jahr wieder sehr gut besucht. Der Kurs richtete sich an Mädchen der Jahrgänge 8 bis 13 und findet am ChG seit ca. 20 Jahren einmal jährlich in fünf Einheiten statt. Er wurde vom Förderverein der Schule, den „Freunden des Chiemgau-Gymnasiums e. V.“, finanziell bezuschusst und auch die Schülerinnen des Annette-Kolb-Gymnasiums waren dazu eingeladen.

Die Schülerinnen des Chiemgau-Gymnasiums üben direkt mit ihren Trainerinnen und Trainern und nicht an Dummies.
Die Schülerinnen des Chiemgau-Gymnasiums üben direkt mit ihren Trainerinnen und Trainern und nicht an Dummies.

Durchgeführt wurde dieses spezielle Kursangebot von insgesamt 10 Trainerinnen und Trainern, alle Mitglieder der Abteilung Ju-Jutsu des ASV Grassau, unter der Leitung von Marco Kellermann. Von ihnen wurden die Mädchen angeleitet, sich gegen Angriffe wirksam zu verteidigen. Bestandteil des Trainings waren dabei auch immer wieder theoretische Einheiten, in denen die sehr interessierten Teilnehmerinnen lernten, Gewalt und mögliche Gefahren zu erkennen, die eigene Sichtweise zu reflektieren und Handlungsstrategien für den Alltag zu entwickeln. Das Trainerteam, beruflich in der Medizin, der Justiz oder bei der Polizei tätig, lieferte Fakten und Zahlen zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen, klärte Begrifflichkeiten wie z. B. „Victim blaming“, „Catcalling“, „Notwehr“ und „Nothilfe“, informierte über potenzielle Täter, Opferauswahl, situative Risiken, mögliche Hilfen (z. B. Begleit-Apps), Spurensicherung, Strategien gegen Anmache und Belästigung und vieles mehr.

Anhand von relativ leicht erlernbaren Kampf- und Kraftprinzipien übten die Mädchen zunächst einmal, die eigene Schlaghemmung zu überwinden und effektive Gegenwehr bei sexualisierten Übergriffen zu leisten. „Nehmt das hier ernst“, schärfte Marco Kellermann den jungen Frauen ein, „wie man trainiert, so kämpft man. Meistens habt ihr nur die eine Chance, einen euch körperlich überlegenen Angreifer außer Gefecht zu setzen.“ „Das Wichtigste ist, in jeder Situation einen klaren Kopf zu bewahren und seine Angst in Mut umwandeln zu können“, gab Trainer Ismael Cetin den Mädchen mit.

Eine Schülerin des Chiemgau-Gymnasiums beim Einüben einer sehr effektiven Nervendrucktechnik.
Eine Schülerin des Chiemgau-Gymnasiums beim Einüben einer sehr effektiven Nervendrucktechnik.

Auch gezielte Schlagtechniken und Bodenkampf wurden unterrichtet. „Nutzt eure Körperwaffen und versucht Treffer der Kategorie „Eye-Ei“ zu landen“, empfahl Trainer Hannes Kern. Die jungen Frauen trainierten die Abläufe sowohl mit den Trainerinnen und Trainern als auch gegenseitig, damit sie fast schon reflexhaft abrufbar sind. Sie lernten durch starke Körpersprache den eigenen Standpunkt deutlich zu machen und ihre Stimme gezielt einzusetzen. „NEIN heißt NEIN, stellt das klar. Auch, um Hilfe zu bekommen. Also schreit, so laut ihr könnt!“, unterwies Trainerin Susi Maier die Mädchen.

Ziel des Kurses ist, die eigene innere Stärke zu entdecken und jederzeit selbstwirksam und handlungsfähig zu sein und zu bleiben. „Diese Fähigkeiten braucht ihr zu jeder Zeit in eurem Leben“, wandte sich Elternbeiratsvorsitzende Claudia Lahr an die Mädchen. Als Anerkennung, dass dies wieder einmal gelungen ist, überreichte sie dem Trainerteam eine wertschätzende Aufmerksamkeit und bedankte sich vor allem dafür, dass sie sich als „Gegner“ zur Verfügung gestellt hatten, damit die Mädchen „echt“ trainieren konnten, und nicht an Dummies, wie dies in anderen Kursen der Fall ist. Es ist schließlich nicht selbstverständlich, sich – wenn auch nur zu Übungszwecken - anschreien, schlagen, beißen und kratzen zu lassen.

Claudia Lahr
(Elternbeiratsvorsitzende Chiemgau-Gymnasium)

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